Tauchen in Sharm el Sheikh - Best VIP Service
 
 
 
 Reisebericht
 
 

ein Reisebericht der etwas anderen Art...


Vorwort

Ich habe versucht, die wichtigsten Eindrücke dieser Reise niederzuschreiben. Der Ablauf der Tauchsafari, sowie die Tauchziele entsprechen nicht ganz den Tatsachen, wenn es um die Reihenfolge oder die Aktivitäten am jeweiligen Tauchplatz geht. Das soll nicht heißen, daß ich irgend etwas dazugedichtet habe. Ich doch nicht !! Niemals !! -))

Kapitel 1

Eigentlich sollte die Reise erst im September stattfinden. Was mache ich hier also jetzt schon im Januar. Warum sitze ich seit zwei Stunden schweißgebadet am Telefon. Ach ja, ich brauche Flüge. Vierzehn; um genau zu sein. Und was meinte der extrem freundliche Herr vom Flug-Ticket-Service:
"Kein Problem !!"
Irgendwie kannte ich diesen Standardsatz von all meinen Ägypten Trips.
---no Problem---
Immer wenn jemand zu mir "No Problem" sagt, dann weiß ich mit Sicherheit: Es gibt Probleme!
---dann geben sie mir doch einfach die 14 Namen Ihrer Tauchreisenden!---
Vierzehn Namen.....ich hatte erst sechs Namen...macht nach Adam Riese minus acht.
---kann ich die Tickets auch ohne Namen reservieren?---
Jetzt war der freundliche Herr schon nicht mehr so freundlich.
---nein!--- .
Also gut. Erinnerte ich mich doch an all die lieben Tauchkollegen vom letzten Jahr. Wer könnte, wen sollte ich...?
---nun gut---
(der freundliche Herr wurde wieder extrem freundlich, hatte er doch nun seine vierzehn Namen; und ich hatte Magendrücken)

Kapitel 2

In den nächsten 2 Wochen waren ich und mein Telefon damit beschäftigt, zu den Flugtickets auch die Personen zu bekommen. Ich rief also einen nach dem anderen an:
---Mensch prima, daß du an mich gedacht hast...Rotes Meer...toll.! was?... im September...oh schade, da bin ich auf den Malediven---
Bingo...nächster !
---bla,bla,bla...schon 34 Einheiten...bla,bla,bla...52 Einheiten---
---nein danke...mein Meerschweinchen ist schwanger, und da kann ich unmöglich weg.!...bla,bla,bla,...---
74 Einheiten.
Summasumarum:...694 Einheiten, zwei Kästen Warsteiner, und eine Flasche Bacardi. Ergebnis: zehn potentielle Zusagen, zwei eventuelles, dreiundzwanzig Absagen! Drei Monate später hatte ich dann doch meine vierzehn Taucher zusammen. Wie ich es geschafft hatte? Keine Ahnung! Aber mein Getränkehändler ist seitdem viel freundlicher zu mir.

Kapitel 3

Packen! Was soll mit? Tauchzeug, Werkzeug, Ersatzteile, Verbandsmaterial, Schulungsunterlagen! Irgend etwas fehlt. Was war das noch? Ach ja, Badehose, oder vielleicht zwei Badehosen. Nun, diese Entscheidung wurde mir genommen, nachdem ich mit meinem Gepäck auf der Waage stand. 33 kg Übergewicht! War die zweite Badehose doch zuviel? Also alles noch mal auspacken, Inventur gemacht, alles einzeln gewogen. Und trotzdem, was muß das muß. Es wurde nicht weniger. Auch wenn man das Gepäck auf drei verschiedene Gepäckstücke verteilt, das Gewicht bleibt das Gleiche. Durch geschicktes Umpacken gelingt es mir, 15 Kilo ins Handgepäck zu verfrachten. Ich freue mich jetzt schon auf die Handgepäck Kontrolle am Flughafen.

Kapitel 4


Endlich Sonntag! Kurzer Trip zum Flughafen, alle 13 Personen da. Dreizehn? Waren wir nicht vierzehn? Wer fehlt. Während ich krampfhaft versuche festzustellen, wer denn eigentlich fehlt, kommt unser vierzehnter Mann um die Ecke gebogen.
---äähh, ich bin der Martin, ne!---
Also sind wir jetzt doch komplett. Nach dem Tauchgepäck frage ich erst gar nicht. Tausend Gepäckstücke, auf 3 Kofferwagen verteilt, türmen sich zum Himmel. Schätzungsweise 100 Kilo Übergewicht. Ich will das Drama beim Einchecken erst gar nicht mit bekommen und verziehe mich an die Flughafenbar. Das letzte deutsche Bier: 4 Euro für 0,33 Liter. Bei dem Preis freue ich mich direkt auf das ägyptische Bier. Als ich dann zum Check-In zurückkomme ist unser Gepäck bereits eingecheckt. Glück gehabt! Nun denn, ab in den Duty-Free: Alkohol...alcohohl...alchol....prost! An der Bar vor dem Gate schaffen wir es gerade noch, ein letztes Bier zu schlabbern, als unser Aufruf durch die Lautsprecher kommt. Kurzer Blick auf die Bordkarte. Oh, ich sitze ja nicht neben meiner Maus !...oh je...Familienstreß...
---hat jemand 22 K oder H gegen 20 F---
---nee, aber ich suche 19 B oder D---
---tausche H gegen K, wenn du mit F einen C nimmst...---
Das Chaos ist perfekt. Sieben frustrierte Gesichter marschieren ins Flugzeug.

Kapitel 5


Scheiße! Jetzt habe ich meinen Raucher Fensterplatz gegen einen Nichtraucher mitte getauscht. Die ganze Panik war umsonst. In dem Flieger waren so viele Plätze frei, daß sich jeder setzen konnte wohin er wollte. Nach vier ein halb Stunden setzen wir zur Landung an. Die Türen öffnen sich und wir werden empfangen von dem typischen Geruch nach Wärme, Urlaub und...Kerosin. Jetzt haben die Kameltreiber einen wirklich tollen Flughafen. Für die wahnsinnige Entfernung von 50 Meter wird ein hochmoderner Transferbus eingesetzt. Noch auf der Suche nach einem freien Sitzplatz im Bus sind wir auch schon da. Ruckzuck Visum ausgefüllt und ab durch den Zoll. Da standen wir nun an dem komfortablen Koffer Fließband. Der erste Koffer (meiner) tritt auf dem Förderband seine erste Runde an und wird zu allem Erstaunen von einem kleinen Ägypter neben das Fließband gestellt. Ich also Richtung Koffer. Vielleicht war ich zu hektisch. Noch zwanzig Meter vor meinem Koffer stürmen fünf kleine Ägypter plötzlich auch in Richtung meines Koffers. Das Rennen hatte begonnen. Schaffe ich es als Erster an meinen Koffer oder einer von diesen "Trinkgeld verschluckenden" Ägyptern. Noch fünf Meter! Mittlerweile rasen noch zwei Gepäckwagen auf meinen Koffer zu. Noch einen Meter. Zu spät...mein Koffer ist weg. Mist...es war gar nicht meiner. Er sah nur so aus. Mein Koffer steht fünfzehn Meter entfernt, gut bewacht von drei kleinen Ägyptern.
---grins...OK! Zwei Pfund Bakschisch---
Nach ca. 45 Minuten haben wir es dann alle geschafft. Pässe und Tickets einsammeln! Eins, zwei, drei,...dreizehn, wer fehlt denn jetzt schon wieder? Panik! Ein Ticket fehlt! Unsere Johanna wird blaß. Ich hatte das Ticket doch gerade noch! Weibliche Ordnung! Also wird kurzerhand die gesamte Handtasche quer über dem Flughafen verstreut. Aber das Ticket ist nicht dabei. (Panik hoch drei.) Wie sollte es auch. Hatten wir doch einen Tauchkollegen dabei, der mit "Dackel ähnlichem" Blick alles als Souvenir betrachtet, vor allem wenn es von unserer Blondine kam. Schluß endlich, Ticket da, Gepäck da, Transfer zum Schiff auch da. Los geht's. Wir verlassen den Flughafen. Vierzehn Taucher, 25 Gepäckstücke und zirka dreißig wild gewordene ägyptische Kofferkulis. Soviel Gastfreundschaft und überhaupt nicht geldgierig!

Kapitel 6


Hotelanlage Sindbad Hafen. Wo ist sie nun! Unser Tauchschiff. Mysara! Letztes Schiff im Hafen. Na, wenigstens brauchen wir uns nicht um unser Gepäck zu kümmern. Es gibt sogar Ägypter, die in der Lage sind einen Koffer mit 2 Händen zu tragen, und nicht, wie am Flughafen, eine Hand ständig nur für Trinkgeld frei zu halten. Also Direktstart zum Kühlschrank. Stella ist angesagt. Zwei Meter vor der Küche tut es einen Schlag. Glas splittert, und die ersten Tauchkollegen werden blaß. Es wird doch nicht der Kühlschrank explodiert sein. Zum Glück nicht. Irgendwie hat sich das Gas im Gasherd selbständig gemacht. Die Herdklappe klebt an der anderen Wandseite und unser Koch (Hassan) ist plötzlich ein "weißer" Ägypter. Ich kümmere mich nicht mehr darum, denn schließlich gibt es Wichtigeres. Kabinen suchen. Suche nach einem Sitzplatz. Streng nach deutscher Machart wird alles gleich markiert! Der Platz ist mir! OK! Im Salon ist alles geklärt. Durchstart zum nächtlichen Schlafgemach! Scheiße, da liegt doch einer, nein zwei auf meinem Schlafplatz. Und wer wohl, unser Liebespärchen. Jetzt psychologisch vorgehen:
---äh du, der Platz ist nicht gut...viel zu windig...zu kalt...und überhaupt...das ist mein Platz!---
Es hilft nichts...Platz ist weg! Flucht in Richtung Kühlschrank.
---one Stella please---
Grummel brummel.
Also suche ich mir ein alternatives Plätzchen. Nach längerem überlegen ist das neue Plätzchen nicht mal so schlecht!
---Klingel, Klingel---
---Abendessen, happihappi, jalla jalla!---
Spaghetti, Hamburger, undefinierbare Soße, wo ist mein Maggi?! Alternativ nehme ich mir die erste Flasche Bacardi zur Brust. Erster Rundblick in die Truppe. Alle schauen ziemlich zufrieden aus. Jetzt könnte ich doch mal den Schullehrer spielen. Gute Idee. Also ich stelle mich vor die Truppe und erkläre das Verhalten an Bord und beim Tauchen. Thematik: Alkohol und Tauchen und überhaupt! Wo habe ich denn jetzt schon wieder meinen Bacardi hingestellt?
---wo kommt das Toilettenpapier hin? Genau, in den Eimer, der neben der Toilette steht!---
Denn in schwarze Tüten verpackt, schwimmt das Zeug viel besser im Meer. Nachdem ich dann zum dritten Mal auf das Thema Toilette komme, wurde es dann Zeit, endlich das Quatschen einzustellen. Die erste Nacht wird eine kurze Nacht. Es gibt ja soviel zu erzählen, über die Sterne und das Meer und das Plätschern des Wassers und die Eindrücke vom Schiff, und über die alkoholischen Getränke. Letzteres wird natürlich genauer untersucht, und so kommen die Letzten nicht vor drei Uhr zu Bett.

Kapitel 7


Endlich ist es soweit. Raus auf das offene Meer. Sonne, Wasser, Salz und die ersten grünen Gesichter. Und ich dachte schon, ich hätte zu viel Medikamente dabei. Es schaukelt wirklich nicht schlecht. Ich finde das toll.
---wohin fahren wir eigentlich---
Mir ist das "wurscht", aber es gibt doch tatsächlich Leute an Bord, die es interessiert. Also sprinte ich zum Kapitän.
---wot iss auer näxt dive pläce---
Toll, er scheint mich verstanden zu haben.
---Shab el Erg---.
An dem Plätzchen war ich schon mal. Wie sah es da aus. Keine Ahnung. Irgend so´n Riff und Fische. Aber das langt ja wohl nicht als Diveguide. Ich also ab in die Lektüre. Da steht auch nicht mehr. Riff! Also bauen wir etwas!
---unser erster Tauchplatz ist ein spezieller Eingewöhnungs-Tauchplatz, wenig Strömung, nicht tief, mit wunderschönen Korallen und vielen Fahnenbarschen---
Sollte ich etwa sagen, daß aufgrund der Wetterlage Strömung ist, vermutlich eine scheiß Sicht, und was an Korallen mal da war, jetzt alles auf dem Kopf liegt. Na, ich weiß mich zu bremsen. Wir sind da. Noch schnell eine Zigarette. dann ab in die Tauchklamotten. So dachte ich mir das.
---sag mal Ralf, wieviel Blei brauche ich---
Wie soll ich das wissen, denke ich mir, und versuche, es einfach zu überhören. Wahnsinn, der Trick klappt. Er fragt den Nächsten. Ich ziehe mich erst mal zurück. Die ersten Automaten fangen das Abblasen an.
---hat jemand meine Brille gesehen?---
---wo ist mein Tauchrucksack?---
Irgendwie lustig, dem Treiben zu zusehen. Erinnert mich an das Spiel "die Reise nach Rom". Links hinten, die Nummer 5 sucht seinen Taucheranzug rechts vorne bei Nummer 3, greift sich Flasche von Nummer 6 links, um dann im Stolperschritt seinen Rucksack rechts anzulaufen. Zwischendurch verhakt er sich im Bleigurt von Nummer 2 links. Nummer 2 links fängt dann vier Minuten später prompt das Schreien nach seinem Bleigurt an. Nach 45 Minuten ist alles vorbei. Der Erste springt ins Wasser. - Martin, nee! Na, lassen wir das. Mittlerweile habe ich Platz. Ich werfe mich in mein Tauchzeug. Zwei Minuten später bin ich fertig. Wo ist mein Tauchpartner. Oh! Er hat mittlerweile seinen Anzug gefunden. Soll ich noch eine Zigarette rauchen, oder gleich die ganze Stange holen? Aber auch er wird fertig. Also, ab dann. Maske fest halten, Luft holen, und, verdammt, mein Computer ist noch im Handgepäck. Mit Klamotten in den Salon, nee!
---hey Mohammad. Pliis bring mi mai Computer---
Er schleppt tatsächlich den Richtigen an. Jetzt aber los.

Kapitel 8


Ich bin wieder da, du liebes Rotes Meer, mit all deinen Farben, wie habe ich mich seit einem Jahr darauf gefreut. Hallo ihr Fischis, hallo Koralle! Happy, aber doch noch einigermaßen klar denkend, suche ich meine Tauchpartner. Alle da. Auch sie scheinen im Rausch des Meeres zu sein. Mich sieht keiner. Ein kurzer Druck auf die Tröte.
---huh huh. Ich bin auch da!---
---alles klar?---
---ready for take off!---
Irgendwie komme ich mir vor als wenn ich jeden Fisch kenne. Aber ist das ein Grund, jeden von ihnen zu grüßen? Die Eindrücke sind überwältigend. Ich denke nicht an Umweltschutz, an die schwarzen Müllsäcke, die heute Nacht wieder über Bord gehen, an das Abwasser, das kontinuierlich in das Rote Meer fließt. Nicht an den Höllenlärm, den wir unter Wasser erzeugen. Delphine wollen wir sehen. Wenn wir welche sehen, dann bestimmt nur Behinderte. Denn wir Menschen machen mehr Krach, als alle Fische zusammen. Und unter Wasser verbreiten wir einen Geruch, der für Fische alles andere als schmackhaft ist. Sorry, aber so ist es. Nein, ich denke einfach nicht darüber nach. Ich genieße eine Welt, die mir eigentlich nicht zusteht, und in der ich als Mensch eigentlich auch nichts zu suchen habe. Ein Blick auf den Computer: fünfzehn Meter; sechsundzwanzig Minuten; fünfundvierzig Minuten Restalkohol; hoppla, Nullzeit! Mein Finimeter zeigt noch 130 bar. Ach, wie ich diese Welt liebe. Vergessen ist alle Hektik an Bord. Da, ein Kofferfisch, Handzeichen: Tragegriff ähnlich. Andreas hat mich verstanden, Diana schaut mich nur blöd an. Ich muß ihr es wohl nach dem Tauchgang erklären. Wenn ich es bis dorthin nicht wieder vergessen habe. Das Handzeichen für Hai kennt sie. Aber das sollte ich beim ersten Tauchgang wohl unterlassen. Ich muß lachen, mit dem Ergebnis, daß ich nun die Maske neu ausblasen muß. Also tue ich es und verschränke wieder meine Arme. Das ist eigentlich keine bequeme Haltung, aber mir ist noch nichts Besseres eingefallen. Vielleicht sollte ich mir Neoprenhandschuhe mit Kordel zulegen. Das war als Kind, im Winter, immer ganz praktisch. Sechzig Minuten, jetzt langt es, man muß es ja am ersten Tauchgang nicht gleich übertreiben. Außerdem wartet mein Stella Bier.
---auftauchen---
Oh je, vielleicht hätte ich vorher erst mal hochsehen sollen. An unseren Austiegsleitern hängen schon fünf Taucher. Sollen wir noch fünf Minuten warten oder lieber zugucken, wie die anderen aussteigen?! Vielleicht gibt es später noch was zu lästern. Endlich ist Platz an der Leiter. Also ab nach oben. Griff an die Leiter, Fuß auf die Sprosse und Atemregler raus. Warum muß der verfluchte Kompressor immer dann gestartet werden, wenn ich auf der Leiter stehe? Kohlenmonoxid vom Feinsten, gemischt mit etwas Ruß. Vielleicht brauchen das die Taucher. Trotzdem irgendwie komisch. Zwei Leitern, zwei Auspuffrohre, und ich suche mir immer die falsche Leiter aus. Endlich stehe ich triefend auf der Plattform. Mein Platz für meine Tauchflasche (Nr. 7 links) ist freundlicherweise von Nummer zwei rechts belegt. Ich nehme mir vor, diesbezüglich nochmals Stunk zu machen. Wohlgemerkt später, denn jetzt hätte ich eh keine Chance. Jeder erzählt jedem, welch großartigen Fisch er unter Wasser gesehen hat. Ich wußte gar nicht, daß Fahnenbarsche so groß werden können. Und die Farben! Selbst in fünfzehn Meter Tiefe scheinen manche Taucher die Farbe rot noch deutlich zu sehen. Vielleicht sollte ich doch mal zum Augenarzt gehen. Ich bin trotzdem froh, daß alle wieder da sind. Nicht nur, daß alle da sind. Nein, sie sind auch noch gesund, von einigen Kratzern mal abgesehen.
---Stella plies---
---sänkx---.
Wie bringe ich einem Ägypter bei, daß das Bier kalt sein muß, und ich gerne bereit bin, es bereits an der Leiter entgegen zunehmen. Ich verschiebe meine Überlegung auf später, denn die Lunchglocke ertönt. Unser Koch macht es uns leicht, die ägyptischen, kulinarischen Gerichte sofort zu erkennen. Einfach gesagt, es gibt wieder Hamburger mit Spaghetti.
---wo ist mein Maggi---
Der Hunger treibt es rein. Nach 3 Minuten sind alle Platten geputzt. Noch einen kleinen Bacardi zum Nachspülen. Jetzt geht's mir gut.
---ei, Ralf, wo fahren wir heute mittag hin?---
---leck mich!---
Ich tue so, als wenn ich schlafen würde. Diesmal klappt der Trick nicht. Also gut, dackel ich mal zu Hameto. Der versteht mein Englisch wenigstens.
---Dunraven---.
Ha, kenne ich, das gibt ein Briefing. Ich lege also los, mein bestes Briefing überhaupt.
---Wrack, blablabla, hinten tief, vorne tief, Gruppenbildung, Strömung, im Wrack, am Wrack, ums Wrack,...blablabla---
Toll, ich komme richtig ins Schwärmen. Jetzt habe ich es mir aber verdient.
---wann coooold Stella plies---.
Irgendwie scheint mich der Typ nicht zu mögen. Das Bier ist immer noch warm. Ich trinke gerade meinen zweiten Schluck als Martin um die Ecke gebogen kommt. Martin, nee!
---Ralf, das Briefing war echt gut, ich war leider auf dem Klo, kannst du das nochmals wiederholen?---
Ich liebe es, ein Briefing mehrmals zu halten. Na gut, erzähle ich den ganzem Mist halt nochmals. Jetzt kann ich hoffentlich mein Nickerchen machen. Ich gehe also aufs Oberdeck, mit der Hoffnung, noch eine von den First Class Matratzen zu ergattern. Noch im Aufstieg an der Treppe, glaube ich selbst nicht daran, daß noch ein Plätzchen für mich frei ist. Ein kurzer Blick gibt mir recht. Also gehe ich wieder runter, diesmal zum Bug. Ha, alles frei, anscheinend hat noch keiner mitgekriegt, daß dies der beste Platz bei stürmischem Wetter ist. Wie war das? Sonne im Haar, Wind an die Brust, und mit Karacho durch die Wellen. Wooh, die nächste Welle gehört mir...hoch in die Luft, zurück ins Wellental, voll eingebaggert, wusch, OK, Rauchen ist eh ungesund. Zehn Minuten, der Mann und das Meer. Mit einem Lächeln denke ich an die lieben Kollegen, die Steuerbords und Backbord Fische füttern.

Kapitel 9


Vor uns liegt Shab Machmud, der letzte Hafen der Dunraven. Der Kapitän schmeißt seine Anker wieder ins Riff, wohin sonst. Also los, machen wir uns mal wieder fertig. Ich gehe in den Salon, und werfe ein freundliches Tauchen, Tauchen, Tauchen in den Raum. Mein blödes Gesicht muß wohl eine abschreckende Wirkung haben, als von links die Frage kommt:
---wo sind wir denn hier---
Die Frage wird nicht wiederholt. Gott sei dank. Sonst hätte die Flasche Bacardi wohl keine Chance zum Überleben gehabt. Also alle Mann wieder auf das Achterdeck. Jetzt fällt mir auch wieder ein, daß ich noch einen Vortrag über die Anziehplätze los werden wollte. Ich schenke mir das. Vielleicht morgen! Michael ist unser Gruppenführer. Er will Silber machen und soll mal zeigen was er drauf hat. Vierergruppe ist angesagt. Ich bin offiziell nicht da. Ich beobachte nur und denke mir meinen Teil. Oder sagen wir es mal so. Ich stehe auf dem Achterdeck und schwitzte voll angerödelt vor mich hin. Michael brieft!! Schade, alles was wichtig wäre, läßt er weg. Ich muß also doch übernehmen.
---blablabla...und ab ins Wasser, Treffpunkt an der Oberfläche---
---OK, und ab auf fünf Meter, Sicherheitscheck. Alles klar? Und los geht's---
So dachte ich wenigstens. Michael gibt mir ein OK Zeichen. Warum mir? Ich bin doch gar nicht da. Er hat es anscheinend verwechselt, denn die Anderen fragt er nicht. Oh, wir tauchen ab. Da ist ja auch die Dunraven. Genau unter uns der Einstieg ins Wrack in die so geheimnisvollen Löcher, die nur darauf warten beleuchtet zu werden. Ich freue mich schon darauf. Michael schwimmt aber ganz woanders hin. Hat er die Löcher nicht gesehen.
---hey, Michael, falsche Richtung!---
Doch er läßt sich nicht beirren. Stur schwimmt er an den Löchern vorbei. Mein Luftverbrauch steigt. Wahrscheinlich verbraucht mein anschwellender Hals mehr Luft als geplant. Alle Winkversuche bleiben erfolglos. Jetzt wo er mal auf mich achten könnte beachtet er mich überhaupt nicht. Oh, je...na gut, macht´s gut ihr Löcher. Wir tauchen zur Schraube. Schon imposant, so einen Propeller aus der Nähe zu sehen. Hinter dem Propeller kommt die Wrackseite, auf der überhaupt nichts los ist.
---Michael!...du wirst doch nicht---
Doch! Er taucht genau da hin. Grummelbrummel. Mittlerweile kommt in meine Lunge überhaupt keine Luft mehr. Das kostet dich mindestens einen Kasten Stella! Ich versuche am Wrack höher zu tauchen, denn gleich kommt die Bruchstelle, wo man eventuell wieder auf die Steuerbordseite kommt. Sieht er mich ? Ja, er scheint zu kapieren, daß ich dorthin will. Meine Maus taucht in seiner Gruppe. Sie hat noch etwas "Bammel" vor so großen Wracks. Trotzdem taucht sie mit einem erstaunlich geringen Luftverbrauch durch die Gegend. Irgendwie bewundernswert. Jetzt hat auch Michael entdeckt, daß ein Wrack nicht nur aus geschlossenen Wänden besteht. Die Tauchlampe leuchtet auf und der Schein verschwindet im Inneren des Wracks. Glasfische, soweit das Auge reicht. Sein Auge zumindest. Denn als der Rest der Gruppe am Loch ist, ist Michael schon auf Fluchtkurs. Ich nutze die Gelegenheit und verschwimme mich. Genau hinein in die geheimnisvolle Welt der Dunkelheit. Mein Scheinwerfer erfaßt die Glasfische, inmitten einer Horde Feuerfische. Nur langsam öffnet sich die Wand aus Fischen und geben ein Bild von verrostetem Metall frei. Eine Muräne zieht souverän schwänzelnd von einer Ecke in die andere. Ich tauche im Wrack weiter in Richtung Heck. Im Heck ist eine große Ausstiegsöffnung die sogar mich durchläßt. Draußen ist meine Tauchgruppe gerade wieder am Propeller angelangt und beginnt den Rückweg zum Tauchschiff. Nach 10 Minuten schaut Michael nervös auf seinen Kompaß. Ha, er weiß nicht wo das Boot ist. Prompt kommt auch das Handzeichen mit der Frage:
---wo ist das Boot---
Tja, mein Lieber, hättest du mich vorhin nach den Löchern gefragt, so hätte ich dir geantwortet. So aber, ziehe ich meinen blödesten Gesichtsausdruck, zucke mit den Achseln, und drehe mich beleidigt um. Soll er mal selbst klar kommen, der Herr Silbertaucher!
---es ist so schön ein Schwein zu sein---
Michael beschließt aufzutauchen. Sein erster Blick, falsche Richtung. Ach wie gut mir das tut. Sein zweiter Blick ist mit Erfolg gekrönt. Unter dem Boot angekommen, beginnt die übliche Zeremonie wieder von vorne. Auftauchen, Hand an die Leiter, Fuß auf die Sprosse, Atemregler raus, Auspuffgase schlucken. Fluchend stehe ich an Bord und versuche einen überdimensionalen Rußpartikel aus meinen Augen zu kratzen.
---Stella plies---
Ich liebe es, wenn der Küchenchef auf der Badeplattform steht. Mein Bier ist schon halb leer, als der Rest der Gruppe im Salon erscheint. Nachbriefing!
---tja, wir waren am Wrack, sind ums Wrack getaucht, dann weg getaucht, und aufgetaucht---
---ach ja, und sonst?---
So, jetzt revanchiere ich mich. Wenn ich mit dir fertig bin, machst du einen neuen Kachelschein! So schlimm wurde es dann doch nicht. Aber es sprang wenigstens ein Bier dabei raus. Den Trick muß ich mir merken. Danach kam wieder das übliche Geplänkel über die Fische, die man gesehen hatte. Ich bekomme das schon nicht mehr mit. Ich verziehe mich mit meiner ergatterten Flasche Stella aufs Oberdeck. Alle Plätze sind frei. Ist ja auch kein Wunder, denn die Sonne geht gerade unter und es wird empfindlich kalt. Das hat mittlerweile auch unser Liebespärchen erkannt. Mein Lieblings Schlafplatz ist wieder frei. Ich führe einen innerlichen Kampf aus. Soll ich mir meinen Platz nehmen und auf meine Maus verzichten? (es ist ihr nämlich auch zu kalt an dieser Stelle). Die Devise heißt: Sterne oder Mausi. Ich ziehe Mausi vor, wenn auch nicht ganz freiwillig! Meine Gedanken werden je unterbrochen.
---klingeling, lunchtime---
Ausnahmsweise gibt es keine Hamburger, aber den Nudeln ist der Koch treu geblieben. Dazu gibt es kleine Teigtaschen mit einer Füllung. Ich nehme mir gleich 3 Teigtaschen und bin plötzlich überhaupt nicht mehr überrascht, warum es heute keine Hamburger gibt. Die Hamburger müssen zerfallen sein. denn in den Teigtaschen liegen ordentlich geschnitten, kleine Hackfleischbrocken. Mahlzeit!
---one Stella plies---
An Bord stellen sich die ersten Ermüdungserscheinungen ein. Während die Einen, in den von Anderen geliehenen Tauchbüchern die Fische des Tages suchen, mault eine kleine Gruppe über die beschissenen Tauchgebiete.
---dreizehn Jahre wird mir das Rote Meer schmackhaft gemacht, und jetzt schwimme ich in abgebrochenen Korallen, schlechter Sicht und kleinen Fischen herum---
Irgendwie kann ich es verstehen. Es ist nicht mehr das Paradies auf Erden. Der Tourismus hat seine Spuren verdammt deutlich hinterlassen. Was soll's! Ich finde es trotz alledem noch toll. Ich schaue mich um. Mein Mausi ist nicht da. Ihr Hausfrauenpflichtbewußtsein hat wohl zum Betten machen gerufen. Habe ich ein Glück. Jetzt muß ich es nicht machen. Mittlerweile ist es mitternacht. Die Ersten sind im Bett verschwunden. Spätestens wenn die Letzten den Schnarchgesang einläuten, werden die Ersten wieder wach sein. Man merkt jetzt auch deutlich, wer das Tauchen gewöhnt ist. Es ist eine kleine Gruppe, die jetzt erst richtig munter wird. Klar, daß da der eine oder andere Bacardi mithilft. Aber einer fehlt in der Gruppe, und noch eine wesentliche Person ist weg! Mich macht das stutzig. Ich stürze also los in Richtung Kapitänskajüte. Wußte ich es doch. Da qualmt eine Schischa ohne mich. War mein Riecher wieder mal richtig. Ich stürze mich auf den Nippel und ziehe durch. Schließlich muß ich ein Jahr nachholen. Nachdem ich mein Lungenvolumen voll ausgeschöpft habe, kommt alles wieder mit einem einzigen Huster wieder raus. Peinlich, der TL hat Husten. Nach zehn Minuten bin auch ich benebelt. Der Husten löst sich in Wohlgefallen auf, genau wie meine klare Aussprache. Ich liebe Schischa, vor allem mit Hablibabli-Füllung. Der erste Tag ist gelaufen. Mein letzter Blick fällt auf ein unvorstellbares Sternenmeer am Himmel. Wo auch sonst?! In meinen Träumen erlebe ich den Tag noch einmal. Ich träume vom Holzfrachter und tauche in die Ladeluken hinein. Aber ich bin nicht alleine. Vor mir taucht im Traum Otto auf. Er sitzt auf einem Stapel alter Hölzer und sägt alles kurz und klein. Die Kanten glättet er mit seiner Flex! Moment mal! Da stimmt was nicht! Ich mache vorsichtig die Augen auf. Noch immer höre ich das Sägen und Rasseln der Flexmaschine! Ah, jetzt verstehe ich, Otto ist auch da! Schnarch, Pitschepüh. Trotzdem gelingt es mir, wieder einzuschlafen. Es war ein schöner Tag. Irgendwann so gegen halb vier werde ich wieder wach. Die ersten Deckschnarcher verziehen sich. Zu kalt. Auch mir ist es kalt, aber was nimmt man nicht alles in Kauf, wenn man ein Plätzchen ohne Schnarcher hat. Selbst unter Deck, wo einem der Dieselgestank nicht in den Schlaf, sondern in sanfte Ohnmacht befördert, vibrieren die Holzplanken. Unser weiblicher Single braucht auf dieser Safari keinen Mann. Zumindest nicht für das Schnarchen! Selbst ist der Mann. Ich werde in meinen Gedanken gestört. Aus unserer Jungecke kommen mäuseartige Geräusche. Es darf ja nicht war sein! Unser Jüngster an Bord braucht um 3:42 Uhr Gummibärchen. Und er sucht in vollkommener Dunkelheit auch noch eine bestimmte Farbe. Anschiß! Der hat sie doch nicht alle! Irgendwie schlafe ich dann doch wieder ein. 6:20 Uhr. Unbarmherzig knallt die Sonne aufs Oberdeck. Verstecken unter der Decke ist sinnlos. Zum Einen weil es mittlerweile unerträglich heiß wird, zum Anderen, weil die Decken alles andere als Licht dicht sind. Also gut, wälzen wir uns raus aus den Federn. Federn ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Ich meine die mit Salz verseuchten, zerrissenen, unbequemen Matratzen, die sich mittlerweile im Auflösungsprozess befinden. Meine Augen sind verklebt. Der Wind hat seine Spuren hinterlassen. Ich schleppe mich mühsam zur Reling und lasse mich kurzerhand ins Wasser fallen. Wach! Diese Methode spart mindestens 30 Minuten.
---klingeling! Frühstück---
Hhmm, lecker, es gibt Pfannkuchen. Ich überfliege die Anzahl und komme auf neunzehn Stück. Neunzehn geteilt durch vierzehn macht, ähem, ca. zwei! Das denken wohl mehrere, denn als die Letzten aus ihren Betten kommen, gibt es anstatt Pfannkuchen, lange Gesichter. Die Schuldigen sind schnell gefunden. Volle Backen und noch ein Pfannkuchen auf dem Teller. Erwischt! Also hagelt es erst mal Vorwürfe, dann Vorträge über soziales Gruppenverhalten. Peinlich! Wem jetzt noch der zweite Pfannkuchen schmeckt? Na ja, vielleicht hat man etwas gelernt. Noch beim Abräumen der leeren Teller springt unsere Dieselmaschine an. Auf zum nächsten Tauchplatz. Shab el Ali. Diese 16 Kilometer große Riffbildung liegt in unmittelbarer Entfernung zur Thistlegorm. Taucherisch ist nicht viel los am Shab Ali. Nur Fische und Korallen. Wen interessiert das schon. Auch nicht besonders tief. Vielleicht wäre das Tauchgebiet besser angekommen, wäre man nicht haarscharf am Shab Abu Nuhas vorbei gedüst. Ich bin allerdings ganz froh darüber, daß wir nicht nach Shab Abu Nuhas fahren. Im Vorbeifahren sehe ich schon sechs Schiffe dort liegen, und dies bedeutet zirka 70 Taucher unter Wasser. Darauf kann ich momentan verzichten. Außerdem liegt die Thistlegorm in unmittelbarer Nähe. Dieses Wrack ist wohl das berühmteste Wrack im Roten Meer. Erst 1991 wiedergefunden und angeblich gefüllt mit all den Dingen, die ein Taucherherz höher schlagen läßt. Ein Wrack, voll beladen mit den interessantesten Kriegsgerätschaften, und Munition soll auch noch da sein. Ich hatte das Wrack vor sechs Jahren zum ersten Mal gesehen und war voll begeistert. Überspringen wir also am besten das Kapitel Shab el Ali.

Kapitel 10


Alles ist bereits um 6:00 Uhr hellwach. Die Thistlegorm ruft. Anscheinend nicht laut genug für unseren Kapitän. Während unsere Dieselmaschinen noch im Tiefschlaf liegen, fahren zwei benachbarte Schiffe in Richtung Thistlegorm. Unmut macht sich breit.
---warum weckt denn niemand den Kapitän?---
Alle fahren, nur wir nicht!? Vom Frühstück bleibt diesmal viel übrig. Ob es an gestern liegt, oder ist es die Vorfreude auf die Thistlegorm. Jetzt geht es los. Der erste Diesel fängt an zu brummen. Auch der Zweite läßt nicht lange auf sich warten. Die ersten Taucher fangen an, mit den Füßen zu scharren. Zu deutsch: Sie fangen an, sich anzuziehen. Viel zu früh, denn Hameto muß noch eine Leine am Wrack festmachen. Bis wir richtig festliegen vergehen vierzig Minuten. Die ersten roten Gesichter leuchten aus dem Neoprenanzug. Endlich! Wir können ins Wasser. Nachdem ich das Briefing fünf mal machen mußte, sollte jetzt jeder Bescheid wissen. Ich lasse mir Zeit. Zum Einen, weil Strömung angesagt ist, und ich mein Mäuschen nicht überfordern will durch die Hektik der lieben Tauchkollegen, zum Anderen um einfach Platz beim Anziehen zu haben. Die ersten drei Taucher springen ins Wasser. Gott sei Dank ist ein Seil da, an dem man sich nach vorne und nach unten ziehen kann. Auch wir machen uns nun fertig. Ruckzuck sind wir im Wasser und ab geht's. Nach ca. drei Minuten sind wir endlich am Wrack angelangt. Ein gewaltiges Wrack! Wir beginnen unseren Tauchgang am Heck. Von dort kämpfen wir uns gegen die Strömung über das zerbombte mittelschiff nach vorne. An der Brücke will ich abbiegen zur ersten Ladeluke. Dort geht es zu wie im Whirlpool. Aus dem viereckigen Loch brodelt es. Wie war das noch? Oben liegen siebzehn Schiffe. Jedes Schiff hat durchschnittlich zwölf Taucher; macht zusammen 204 Taucher. Wooooh! Und in diesem Laderaum müssen anscheinend 202 Taucher sein. Wir tauchen weiter bis zur nächsten Ladeluke. Kaum zu glauben, nicht eine Luftblase. Also nix wie rein! Vor uns tauchen die ersten Werbeversprechungen auf. Nagelneue Motorräder stehen in Reih und Glied im ersten Unterdeck. Nagelneu? Ohne Lenker, ohne Sattel, ohne Lampen, ohne Instrumente oder Tankemblem. Wahrscheinlich ist das hier nur eine Teillieferung. Auch die größeren Lastwagen schauen ziemlich gerupft aus. Erstaunlich was Taucher so alles brauchen. Ich vermute, daß bei meinem nächsten Tauchgang sogar die Puffer an den Lokomotiven fehlen. Als Souvenir nach "old Germany" mit 246 kg Übergewicht im Fluggepäck. Trotzdem ist dieses Wrack immer noch faszinierend. Wo sieht man sonst noch so viele Taucher auf einem Haufen. Im unteren Laderaum stoßen wir auf Berge von Gummistiefeln. Ich habe mich damals schon darüber gewundert, was Soldaten damit in Afrika wollten. Na ja, verstehe einer die Engländer. So langsam wird uns die Luft knapp. Wir drehen bei 100 bar um und lassen uns mit der Strömung wieder in Richtung Heck treiben. Bei unserem Sicherheitsstop in 3 Meter stehen wir wie Fähnchen im Wind. Es bläst ganz schön. Also raus hier. Wir haben kaum den Kopf aus dem Wasser, da hören wir auch schon die Begeisterung der Aderen. Die Begeisterung schlägt auf den heutigen Appetit. Noch vor dem Glockengeläut, stehen alle vor dem Tresen. Kohldampf! Es gibt, wie sollte es auch anders sein, wieder mal Hamburger mit Nudeln. Ich verzichte großzügig und stürze mich auf die Suppe. Eigentlich besteht diese Suppe aus 99,9 % Wasser, aber mit einem ordentlichen Schuß Maggi und zusätzlich eingefügten Nudeln, wird auch lauwarmes Wasser genießbar. Wir bleiben heute an diesem Tauchplatz liegen. Das heißt, daß wir heute Mittag noch einen Tauchgang am Wrack machen können. Mittagsschlaf ist angesagt! Ich schaffe es diesmal als erster auf das Sonnendeck. Ich habe die freie auswahl. Es gelingt mir tatsächlich, eine Stunde tief und fest zu schlafen. Um drei Uhr werde ich wach. Rund herum schläft alles. Da ich jetzt wach bin, mache ich mir die Freude, und rufe zum Tauchen. Die Begeisterung ist groß (Ironie hoch zehn). Zehn total verschlafene Gesellen robben wie Zombies in Richtung ihres geliebten Neoprenanzugs. Wracktauchen nennt man das Ganze! Ich mache mich wieder als letzte Gruppe fertig. Ha, ich glaube es nicht! Da steht meine Flasche doch tatsächlich da, wo sie stehen sollte. Ich zeige es meiner Gruppe, mit der Bemerkung, daß man jetzt anscheinend kapiert hat, wer welche Flasche hat. Oh, welch Wunder. Ich packe mein Jacket drauf, und schraube meinen Atemregler fest. Beim Öffnen des Ventils wird mir klar, warum die Flasche da steht. 120 bar! Zu früh gefreut! Ich rödel alles wieder ab und hole mir eine Flasche von der anderen Seite. Endlich werde auch ich fertig. Nun aber ab ins erfrischende Naß. Wir hangeln uns wieder an der Leine ab. Irgendwie läuft alles anders als beim ersten Tauchgang. Die Großfische gucken uns diesmal schon beim Abtauchen zu. Jetzt weiß ich, was los ist. Die Strömung hat um 180 Grad gedreht. Das heißt, mit der Strömung weg von unserem sicheren Seil. Ich fühle mich nicht ganz wohl bei dem Gedanken wieder Scooter für meine Freundin zu spielen. Aber wenn man mit Kinderflossen taucht, muß man damit rechnen. Wir tauchen so langsam wie möglich, vom Heck in Richtung Trümmerfeld. Der Versuch, im Strömungsschatten zu tauchen mißlingt. Ich tauche tief am Grund, und stehe plötzlich vor der Entscheidung, entweder durch das Wrack, oder zurück in die Strömung. Ich entschließe mich durch einen Gang einzutauchen, um von dort in den Laderaum zu kommen. Mausi ist hinter mir, gefolgt von Andreas. Kaum sind wir gemeinsam durch das Loch durch, stelle ich fest, daß meine Freundin doppelt so große Augen hinter der Maske hat. Auf meine Frage, ob alles OK ist, bekomme ich keine vernünftige Antwort. Obwohl ich nicht mehr mit einem OK Zeichen rechne, probiere ich es noch einmal.
---irgend etwas stimmt nicht---
Ich breche den Tauchgang ab. Ich nehme meine Maus an die Hand und spiele Scooter. Andreas hängt sich auf der anderen Seite dran. Zwanzig Meter gegen die Strömung kann manchmal recht lang sein. Wir also volle Pulle, bis zum nächsten Punkt. Dort krallen wir uns an einem senkrecht in die Höhe stehendem Wrackteil fest. Verschnaufen! Nach zwei Minuten starten wir wieder durch. Noch dreißig Meter und wir sind am Seil. Um nicht Gefahr zu laufen, daß sich der Zustand von unserem Schleppteil verschlechtert nehmen wir den kürzesten Weg übers Wrack mit Sichtverbindung zum Seil. Es ist auch die härteste Strecke. Unser eigener Strömungsleitwert liegt vermutlich im Bereich einer Ikea Schrankwand. Doch wir schaffen es. Ab nach oben und fünf Minuten Sicherheitsdeko. Auch diese Minuten ziehen sich. Endlich können wir auftauchen. Wir lassen uns bis zur Ausstiegsleiter treiben. Endlich haben wir wieder festen Boden, na ja, relativ festen Boden unter den Füssen. Was war jetzt eigentlich passiert. Es war etwas passiert, was fast jedem Taucher in seinem Leben mindestens einmal passiert. Plötzlich auftretende Angst, Beklemmung, mit den Begleiterscheinungen wie Atemprobleme, Herzklopfen, und alles andere, was innerhalb kürzester Zeit, zu einer saftigen Panik führen kann. Ausgelöst durch mehrere Faktoren. Strömung, erst keine Grundsicht, beklemmende Gefühle im Wrack. Mut ist, wenn man es, wie in diesem Fall schafft, ruhig zu bleiben. So lange es rechtzeitig erkannt wird, kann man diese Situation noch in den Griff bekommen. Auch ich habe wieder etwas dazu gelernt.

Kapitel 11


Unser Kapitän hat es mächtig eilig. Es ist halb fünf, und ihn befällt die Panik der Dunkelheit. Er donnert mit Vollgas los. Sehr zur Freude aller Getränke auf den Tischen. Die Mysara taucht in den ersten Wellenberg, und scheppernd fällt der lange Tisch im Salon um. Gott sei Dank habe ich mein Bier immer in der Hand. Bei den Bierpreisen wäre ein Verlust des "köstlichen" Getränks nicht tragbar. Ich versuche den einen Tisch wieder aufzuheben, da verabschiedet sich auch schon der zweite Tisch. Aus der Küche kommt ein klirrendes Geräusch. Ich vermute, das Abendessen hat sich selbstständig gemacht und einer der Hamburger hat die Scheibe zertrümmert. Egal, wenn das so weiter schaukelt, werden die meisten eh nichts essen. Im Salon schaut es mittlerweile wie bei Hempels unterm Sofa aus. Alles was mal auf einem Tisch lag, liegt jetzt weit verstreut im Salon herum. Ich verlasse den Ort des Grauens und kämpfe mich zum Bug vor. Gerade rechtzeitig um einen gewaltigen Brecher voll ins Gesicht zu bekommen. Hier vorne gehts richtig ab. Mausi kommt auch gerade nach vorne. Selbstverständlich bekommt sie den besten Platz an der Spitze. Der nächste Brecher rollt heran und wir tauchen wieder tief ins Wellental. Wusch, jooh, die Wahl zur Miss T-Shirt ist eröffnet. Das denkt sich auch die Crew. Alle stehen oben auf der Brücke und warten mit gierigen Augen auf die nächste Welle. Tja, so ein deutsches Mädel ist halt was anderes als ein äqyptischer Mumienteppich. Langsam kommen wir wieder in ruhiges Wasser. Gubal Island. Schlagworte wie Bluff Point, Kabelleger kommen mir in den Sinn. Wie recht ich doch habe. Der Kabelleger ist ein Bluff! Wir liegen an der Innenseite des Eilandes und unter uns liegt die ausgebrannte Nusschale von einem Ausflugboot. Fluglinie zum Kabelleger ca. 100 Meter und trotzdem unerreichbar. Dafür haben unsere Orientierungstaucher ihre große Chance. Sie sollen das the theoretische Wissen in die Praxis umsetzen. Otto, Führer aller Orientierungslosen versucht krampfhaft einen Kurs festzulegen. Geplant ist ein links drehender Viereck-Kurs. Er peilt grob eine Richtung. Seine Schüler peilen noch gröber mit. Zur Sicherheit geben wir den Grobpeilern noch eine Boje mit. Jeder soll seinen Schenkel exakt fünf Minuten tauchen. Ich komme auf die Idee, die Gruppe über Wasser mit dem Schlauchboot zu begleiten. Die Formulierung "über Wasser" klingt zwar blöde, aber bei diesem Schlauchboot kann man nicht sicher sein, ob man über Wasser bleibt. Mittlerweile ist die Gruppe abgetaucht. Die Boje tänzelt mit einem links-rechts Drall durch die Gegend. Über Wasser bläst der Wind so stark, daß wir mit dem Schlauchboot schneller abtreiben, als wir eigentlich fahren. Da wir uns dabei auch noch drehen ist eine Kompaßpeilung im Schlauchboot eher ein Schätzmaß.
---ich glaube sie tauchen jetzt äääh...nach Süden!---.
Ich habe den Motor mittlerweile zum dritten Mal abgewürgt. Um gegen den Wind anzukommen, müßte ich Standgas rückwärts fahren. Fünf Minuten sind um. Die Boje müßte jetzt um 90 Grad ihren Kurs wechseln. Tut sie aber nicht! Eigenwillige Boje. Sie marschiert ca. 120 Grad. Schaut nach einem Dreieckskurs aus, aber falsch herum. Nu denn, warten wir es ab. Ich mache mir Gedanken um das Benzin. Der Tank ist praktisch leer, und wir sind auf Kurs in Richtung Sudan! Fünf Minuten! Oh, wir tauchen wieder Richtung Mysara. Nach 35 Minuten wird es uns langweilig. Eigentlich sollte die Gruppe nach 20 Minuten auftauchen. Unter Wasser gehen die Uhren anscheinend anders. Es wird uns zu blöd Zickzack im Roten Meer zu fahren. Nur wie bricht man diese Übung ab? Otto geht angeln. Er schnappt sich die Boje und zieht. Scheint ein Mordsbrocken dran zu hängen. Und wehren tut er sich auch noch. Endlich schaffen wir es den Fisch, ähm, unsere Johanna aus dem Wasser zu ziehen. Ihre Tauchkollegen verhalten sich ebenfalls wie richtige Fische. Egal, ob einer ihrer Kollegen aus dem Wasser gezogen wird, sie tauchen weiter! Zur Strafe sollte man sie über Wasser zum Boot schnorcheln lassen. Wäre auch eine nette Übung! Aber das Abendessen wartet, und in den nächsten Minuten wird es dunkel. Als letztes taucht der Gruppenführer auf. Er mußte sich dreimal umdrehen, um die Mysara zu sehen. Gott sei Dank kommt keiner auf die Idee mich zu fragen, wie es denn war. Der wäre dann doch noch zurück geschwommen. Also holen wir alle in das Schlauchboot und düsen mit einem nahezu luftleeren Schlauchboot zur Mysara zurück.
---one Stella plies änd wan spreit---
Nachdem ich herausgefunden habe, daß Bacardi auch mit Sprite schmeckt, bestelle ich jetzt immer eines davon mit.
---no spreit---
äähh...wie, vorhin gab es doch noch welches.
---juu häve no spreit---
---we have only cola and seven up---
Mann, das meine ich doch!
---wan seven ap---.
---welcome---
Hätte ich gleich eine grüne Flasche bestellt. Aber ob Hassan das Wort "grün" in englisch kennt. Das Abendessen schaut genau so aus, wie es vorhin geklungen hat. Frisch zusammengekehrt. Kleine braune Hundeköddel oder sind es Hackfleischröllchen. Bevor ich mir zwanzig auf den Teller lade, teste ich erst eines. Schmeckt zwar nicht wie kroatische Cevapcici, riecht auch nicht so, aber mit reichlich Maggi nimmt es wieder einen Geschmack an, den ich kenne. Im Hintergrund wird kräftig über die Überquerung des Roten Meeres diskutiert, in Fachkreisen auch als Orientierungsübung bekannt. Na, das üben wir dann noch ein wenig.
---will jemand einen Nachttauchgang machen---
Alles ist hell auf begeistert. Zumindest von dem Thema, denn es bricht das große Rätselraten über den Zustand der Batterien in den Tauchlampen an.
---ich habe heute Vormittag 25,2 Minuten im Wrack geleuchtet, dann eine Stunde geladen und heute Nachmittag zwölf Minuten geleuchtet. Wenn ich jetzt noch eine Stunde lade, dann---
---ääääh, Ralf, mit wieviel Leistung soll ich laden?---
---das weiß ich doch nicht!---
Jetzt muß ich auch noch rechnen. Vor allem ist die Rechnerei graue Theorie. Die Lampen brennen eh nur so lange sie wollen. Ich schraube meine Lampe zusammen, und frage mich, wie lange sie wohl brennt?! Mausi bekommt meine Zweitlampe. Es ist ihr erster Nachtauchgang. Aus dem Hintergrund verfolge ich ein Gespräch über Haie bei Nachttauchgängen. Da ist sie wieder! Die versteckte Angst! Was ist im Dunkeln verborgen? Ein Riesenhai, der uns als Candell-Light-Dinner auserkoren hat oder eine Muräne, die unbewußt vergessen hat, daß Menschen abscheulich schmecken.
---können wir ein Blitzlicht am Boot anbringen?---
---warum denn?---
---ääh...damit wir wissen wo das Boot ist---
Vergiß es, denke ich mir. Nach zehn Metern sieht man das Ding eh nicht mehr blinken. Auf jeden Fall entbrennt eine heftige Diskussion über Sehen und Nichtsehen. Das Ende der Geschichte. Es wird entschlossen, daß wir einen Blitzer ans Boot hängen. Wer opfert seinen Blitzer! Ich! Aber da ist dann die Batterie leer und das Ding blitzt nur noch alle 5 Sekunden. Sag ich doch! Sieht man eh nicht. Und irgendwie sind wir dann alle im Wasser. Die Dunkelheit umfaßt uns. Wir gleiten in die Tiefe, begleitet von mörderischen Haien und zähnefletschenden Muränen. Leider sehen wir sie nicht, und so beäugen wir Papageienfische im nächtlichen Nachtgewand. Auch über einen Octupus stolpern wir. Er hat vor Schreck vollkommen vergessen sich umzufärben. Jetzt ärgert er sich grau, und wir können ihn um so besser beobachten. Ein Kugelfisch flüchtet aus unserem Lichtkegel, und knallt gegen eine Koralle. Tja, so ein Nachttauchgang ist schon was Besonderes. Vor allem für die Fische. Ein kurzer Blick in unsere Tauchlampen, und sie sind für die nächsten Stunden geblendet. Auch sind unsere Luftblasen alles andere als leise. Alles was unter Wasser schläft, hat geschlafen! Aber auch so ein Tauchgang geht einmal zu Ende. Ich freue mich schon auf meinen Tee mit Rum, und natürlich mein Stella Bier. Wenn man das so überdenkt, muß es so ausschauen, als hätten wir ständig nur Alkohol getrunken. Das stimmt nicht! Es gab ja auch Tee. Laßt mich mal überlegen, was in dieser Woche alles umgesetzt wurde. Also da waren insgesamt 120 Flaschen Bier. Ich hatte zwei Bacardi und zwei Meyers Rum, Mausi hatte einen Baileys, Otto hatte einen hellen Bacardi, Michael hatte zwei Flaschen Jack Daniels, unser anderer Michael einen dunklen Bacardi, Andreas beglückte uns auch noch mit einer Flasche Meyers Rum, macht zusammen zehn Liter harte Drogen und sechzig Liter Bier. Gar keinen Alkohol getrunken haben vier Taucher. Namentlich werde ich diese Taucher natürlich nicht erwähnen. Nicht, daß diese dann als Nichttrinker in Verruf geraten! Macht verbleibend zehn trinkende Taucher. Wir waren sechs Tage auf dem Schiff macht im Schnitt einen Liter Bier pro Tag und Person und 100 ml hochprozentiger Alkohol. Das gibt echt zu denken, oder was meint ihr? Das ist vermutlich auch der Grund, warum man unter Wasser alles größer sieht, und vielleicht auch doppelt?! Das Schlimmste passierte dann am vorletzten Tag
---wan Stella plies---
---sorry, no Stella!---
Ich glaub' mich hat ein Hai gebissen. Kein Bier!!! Mann, Hassan, mach' keine blöden Scherze! Er machte keine Scherze. Am fünften Tag trat eine Situation ein, die auch den stärksten Taucher umwirft.
---es gibt kein Bier mehr !!!!---

Kapitel 12


Silbertaucher wollten sie werden. Also setze ich kurzerhand für den nächsten Morgen eine Frühsportstunde an. Vierzig Meter Streckentauchen und 7,5 Meter Tieftauchen. Die Freude war richtig groß. Allgemeines Gemaule! Als wenn ich etwas dafür könnte. Schließlich muß ich noch früher aufstehen um diese blöde Geschichte vorzubereiten. So kam es dann auch. Pünktlich um sieben Uhr standen sie da. Zum Einen unsere 2 Silberanwärter, und zum Anderen die Neugierigen. Meine Leine hatte ich bereits auf 8 Meter versenkt . Auch hatte ich meine zweite Leine in ca. 40 Metern zu einer Boje gespannt. Ich hatte mir vorgestellt, daß unsere zwei Silberjungs kurzerhand ins Wasser springen und dann kurz auf acht Meter abtauchen, und danach noch die lächerliche Strecke von 40 Metern tauchen. Kurz um gesagt, daß wir in zehn Minuten fertig sind. Ja, denkste! Das Abtauchen auf die acht Meter war da noch das Harmloseste. Eddy schwimmt elegant wie ein Frosch in Richtung Tiefe. Er läßt sich dermaßen Zeit, daß ich mir schon Gedanken mache. Auf acht Meter berührt er kurz das Senkblei, um danach fröhlich in Richtung Grund (15,5 Meter) zu tauchen. Jetzt ist es hoffentlich genug, denke ich gerade noch. Aber unser Eddy taucht nicht auf. Er macht noch einen kleinen Rundkurs. Mittlerweile geht mir die Luft aus, aber Eddy denkt nicht daran aufzutauchen. Gemütlich, ohne die geringste Eile lässt er sich in einem großen Bogen nach oben treiben. Ich bin mittlerweile schon wieder oben und schnaufe wie eine Dampflok. Jetzt kommt unser zweiter Silberanwärter. Er stürzt sich in die Tiefe. Kein Vergleich zu Eddy. Souverän strampelt er in die Tiefe. Die Geschwindigkeit erinnert mich an Flucht. Da ich eigentlich hinterher will, muß auch ich Gas geben. Ich schaffe gerade die Hälfte, da ist unser Daniel Düsentrieb schon wieder auf der Flucht nach oben. Absoluter Geschwindigkeitsrekord! Also dann, auf geht´s zum Streckentauchen. Ich erkläre den Beiden, wie es ablaufen soll. Ich warte am Ende der Strecke, und in der mitte wartet ebenfalls jemand. Eine Person auf dem Schiff soll Zeichen geben, wenn die erste Person abtaucht. Ich tauche meine vierzig Meter und tauche an der Boje auf. Leichte Strecke. Eine kleine Strömung hilft sogar mit. Ich gebe mein OK Zeichen und auf dem Schiff bekomme ich das Zeichen, dass der erste Taucher unterwegs ist. Es ist wieder unser Frosch. Ohne jede Eile taucht er in ca. sieben Metern Tiefe heran. Auch hier gibt er keine Anzeichen, die nächste halbe Stunde wieder aufzutauchen. Er taucht und taucht und taucht.... Ah, jetzt der Zweite. Ich sehe ihn zwar nicht, aber ich habe das Handzeichen bekommen. Nach fünf Minuten ist immer noch nichts zu sehen. Er wird sich doch wohl nicht verschwommen haben. Ich stelle Eddi an die Boje und tauche zum Boot zurück. Michael ist noch am Boot.
---ääähh...Ralf, könntest du vor mir her tauchen, dann fällt es mir leichter---
OK, wenn es sein muß. Ich frage ihn ob wir können. Er bejaht, und ich tauche los. Als ich mich umdrehe, bin ich alleine. Das Spielchen machen wir dann noch dreimal. Mittlerweile ist eine Stunde vergangen und ich habe keine Lust mehr. Ich breche ab. Das Frühstück steht seit 20 Minuten auf dem Tisch, und mittlerweile frieren alle im Wasser. Also, vergessen wir es am besten. Ja, ja, die Marlboro Divers! Wie sagt man so schön: Tja, das üben wir dann noch.

Kapitel 13


Und dann war da noch die schriftliche Theorieprüfung. Um es vorweg zu nehmen, alle haben die Prüfung geschafft. Manche Antworten überraschten mich allerdings. Da behauptet unser Hilfssani doch tatsächlich, der menschliche Kreislauf besteht aus zwei Kreisläufen, die nix miteinander zu tun haben. Wahrscheinlich läuft bei ihm in dem einen Kreislauf Blut und in dem anderen Jack Daniels. Ein Orientierungstaucher gibt auf die Frage, wozu man eigentlich eine Orientierung braucht die Antwort: Um nach einem Tauchgang das Schiff besser zu finden. Die Betonung liegt auf "besser"! Also dann habe ich wahrscheinlich nie eine Orientierung gehabt. Nach einem Tauchgang habe ich das Schiff noch nie besser vorgefunden. Alles liegt nach wie vor an seinem Platz, und der Kühlschrank ist auch noch da wo er sein sollte. Lustig war auch die Antwort auf die Frage: Wie wirkt sich Wärmeabgabe auf den Taucher aus.
---die Wärmeabgabe wirkt sich aus, damit der Taucher besser friert...?---
Manche Fragen wurden in einer so unleserlichen Schrift beantwortet, daß man einen Orientierungskurs zum Auffinden der Buchstaben benötigt. Aber angestrengt haben sich alle. Das muß ich ganz ehrlich zugeben. Apropos Anstrengung. Kompliment an unseren Eddy. Da hat er bei einer Bergeübung tatsächlich sein Bestes gegeben. Er hat unseren Andreas aus neun Metern Tiefe an die Wasseroberfläche gezerrt und in einem Geschwindigkeitsrekord zum Boot geschleppt. Als dann die Aufgabenstellung kam, er solle den Puls von Andreas messen, habe ich Eddy's Puls gemessen. Und er kam auf satte 130 Puls. Na, wenn das kein Einsatz ist. Kompliment! Unser Michael war da ganz anders. Er betrachtete die Abschleppübung als Sightseeing Tour. Am Boot angekommen, schält er unseren armen Andreas aus seiner Tauchausrüstung. Damit er keine Widerworte gibt, drückt er ihn mit dem Kopf einfach unter Wasser. Gemütlich trägt er ihn an Bord. Michael schaut optimal entspannt aus. Keinerlei Anzeichen von Anstrengung. Tja, daran erkennt man den berufsmäßigen Rettungssanitäter. Selbstrettung vor Fremdrettung. Und beim Pulsmessen liegen seine Werte unter den Werten der Person, die er eigentlich retten sollte. Im Ernstfall hätte vermutlich nur mein Durst überlebt. Vielleicht hat unser Michael nur die falsche Person gerettet. Bei etwas Weiblichem wäre er wohl motivierter gewesen. Ich stürze mich in den Salon und versuche meinen Kummer in Bacardi zu ertränken.
---wan sprite änd wan cola plies---

Kapitel 14


Tja, Leute, so haben wir mehr oder weniger unsere 6 Tage verbracht. Tauchen, Schlafen, Essen, Tauchen, Trinken, Schlafen, etc. es waren sechs schöne Tage. Da ich sechzehn Tauchgänge gemacht habe, hat mich jeder Tauchgang etwa 41 Euro gekostet. Dafür habe ich mich auch über jeden Fisch gefreut. Auch wenn es etwas mehr Delphin und Hai hätte sein können. Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich von Shab Rur, unserem letzten Tauchplatz im Roten Meer. Eigentlich sollte die Reise damit zu Ende sein. Nicht ganz ! Da hat so'n blöder Ägypter doch tatsächlich versucht, seinen Dampfer auf einem Riff zu parken. Es ist ihm sogar gelungen. Nur nachdem die Parkuhr abgelaufen war, kam er nicht mehr runter. Und jetzt wollte er Hilfe von uns. Wir sollten als zweites Schiff versuchen, ihn vom Riff zu ziehen. Streng äqyptisch, stellten sich die Ägypter extrem doof an. Mit vereinten Kräften schafften sie es dann aber doch den Kahn wieder flott zu kriegen. Bis auf zwei demolierte Poller und einen schreienden Kapitän gab es keine Schäden. So haben wir es dann doch noch geschafft, wieder heil im Sindbad Hurghada einzulaufen.

Kapitel 15


Packen ist angesagt. Den ganzen mit Salz versifften Mist wieder einpacken. Irgendwie kommt langsam Trauerstimmung auf. Keiner will so recht heim. Da ändert auch die Tatsache, daß kein Bier mehr da ist, nichts. Wir stürzen uns auf die letzten Getränke. Knallen uns mit der Crew noch 'ne Schischa rein und das war es. Am Abend kommt dann noch Astrid um Rechnung zu machen und um T-Shirts an den Mann, bzw. die Frau zu bringen. Ich bin locker und entspannt. Ich habe ja noch eine Woche vor mir. Trotzdem scheint es dem Einen oder Anderen recht gut gefallen zu haben. So erstaunt mich auch nicht die Frage, ob wir nächstes Jahr so etwas wieder machen könnten. Und was meint ihr? Wollen wir? Also, ich bin dabei.
---See you next year in Red Sea---

The END !